Der Airport und sein grüner Gürtel

Sie sind nicht nur hübsch anzuschauen, sondern tragen auch klangvolle Namen: Magerrasen, Streuwiesen oder Kleinseggenriede. Zum Ausgleich für den Bau des Flughafens und alle aktuell anstehenden Neu- und Ausbauvorhaben schafft die Flughafen München GmbH (FMG) Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen mit einem vielfältigen Landschafts-, Tier- und Pflanzenbestand. Diese Flächen machen inzwischen insgesamt rund 1.000 Hektar aus und verteilen sich auf den "grünen Gürtel" im Umland des Airports: Sie liegen um den Flughafenzaun im Naturschutzgebiet "Oberdingermoos", in den Landschaftsschutzgebieten der Landkreise Erding und Freising sowie in den europäischen Vogelschutzgebieten "Freisinger Moos" und "Nördliches Erdinger Moos".

Raritäten am Airport

  • Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea Nausithous): Eine durch Europarecht streng geschützte Schmetterlingsart. Die Weibchen sind einfarbig dunkelbraun, die Männchen dunkelblau. Der Eiablage auf den Knospen des "Großen Wiesenknopfes" folgt eine Verpuppung und Überwinterung der Larven im Ameisenbau der Wirtsameise. © Rosenzweig
  • Kiebitz (Vanellus vanellus): Die taubengroßen Vögel aus der Familie der Regenpfeifer sind ein Erhaltungsziel des europäischen Vogelschutzgebietes "Nördliches Erdinger Moos". Kiebitze brüten in offenen, flachen Landschaften mit kurzem oder gar keinem Gras, auf Wiesen, Weiden und Feuchtwiesen. Gut erkennbar sind sie an ihrer typischen Federhaube.
  • Die Sumpfgladiole ist eine besonders grazile Pflanze, mit auffälligen purpurfarbenen Blüten. Ihr Lebensraum ist die Feuchtwiese. Sie wird zwischen 30 und 60 cm hoch. Ihre purpurroten Blütenhüllblätter sind 3 cm groß und am Grund zu einem gebogenen Trichter verwachsen. Sie ist eine Rote Liste 2 Art. © FNL Rossa Obermeier

Lebensräume und Arten schützen

Besonderes Augenmerk haben die Naturschutz-Experten der FMG auf gefährdete oder geschützte Lebensräume und Arten. "In enger Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden und unter Berücksichtigung der geltenden Auflagen sorgen wir dafür, dass mit den Ausgleichsmaßnahmen die Lebensräume von Flora und Fauna langfristig erhalten und gesichert werden", erklärt Christl Holzer, Leiterin des Bereichs Landschaftsplanung und Naturschutz bei der FMG. So sind die Ausgleichsflächen ideale Nischen für gefährdete Arten wie beispielsweise den Kiebitz, den Wiesenknopf-Ameisenbläuling und die Sumpfgladiole.

Schon bei der Planung von Bauprojekten werden Christl Holzer und ihr Team mit einbezogen. Sie erstellen naturschutzfachliche Gutachten und einen "Landschaftspflegerischen Begleitplan" – in dem festgelegt wird, welche Fläche als Ausgleich wo und wie anzulegen und zu gestalten ist.

Diese Kompensationsmaßnahmen werden dann auch fest in der Baugenehmigung verankert. Auf dieser Basis entwickeln die Landschaftsplaner der FMG ein detailgenaues Konzept für die betreffende Maßnahme.

Nach der Gestaltung ist die kontinuierliche Pflege und Kontrolle der Bestandsflächen ebenfalls eine wichtige Aufgabe: "In einem Pflege- und Entwicklungsplan ist genau festgelegt, wie und wann zum Beispiel Wiesen und Feuchgebiete gemäht, oder in welchem Turnus Gehölz- und Gebüschränder ausgelichtet werden dürfen", so Holzer.

Fünf Schritte zum Ausgleich

Schritt 1: Projektidee

Auf Basis der technischen Planung des Bauvorhabens werden naturschutzfachliche Gutachten und in der Folge der sogenannte Landschaftspflegerische Begleitplan (LBP) mit der Herleitung und Planung der Ausgleichsflächen erstellt.


Schritt 2: Behördenprüfung

Das Vorhaben wird von den zuständigen Behörden geprüft. Der Genehmigungsbescheid bzw. Planfeststellungsbeschluss umfasst dann auch die Auflagen zu den Ausgleichsflächen, die in der Regel im Umland des Flughafens liegen.


Schritt 3: Planung und Umsetzung

Mit der weiteren Planung und Umsetzung des Projektes wird anhand der Auflagen im Genehmigungsbescheid auch die Detailplanung der Ausgleichsmaßnahmen erstellt. Hierbei werden die Anforderungen von Gebiets- und Artenschutz sowie der Schutzgüter Pflanzen, Tiere, Boden, Wasser und Landschaftsbild berücksichtigt.


Schritt 4: Herstellung der Ausgleichsfläche

Mithilfe eines Landschaftsbauunternehmens werden die Ausgleichsflächen gebaut. Je nach Auflage müssen die Ausgleichsmaßnahmen evtl. schon vor dem Baubeginn der Ausbaumaßnahme hergestellt werden. Die Naturschutzbehörden nehmen die Flächen nach der Herstellung ab und es wird die Aufnahme in das Ökoflächenkataster des Umweltministeriums veranlasst.


Schritt 5: Kontrolle

Mehrere Fachabteilungen kümmern sich bei der FMG langfristig um die anschließende Unterhaltungspflege und naturschutzfachliche Entwicklung. Die Tier- und Pflanzenbestände werden einer systematischen Erfolgskontrolle unterzogen.


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