Geschützter Lebensraum

88 Brutpaare im hohen Gras

Mit einem ausgeklügelten Biotopmanagement sorgt der Flughafen München dafür, dass der vom Aussterben bedrohte Große Brachvogel innerhalb des Flughafenzauns ungestört brüten kann.

Das Gras ist noch feucht, es hat am Morgen geregnet. Umweltexpertin Julia Gotzler, Biotopmanager Oliver Weindl und Dackeldame Bluna sind zu Fuß unterwegs auf den Grünflächen der Nordbahn am Flughafen München. Sie wollen zum Brutgebiet des Großen Brachvogels – eines vom Aussterben bedrohten Bodenbrüters, der sich auf den Flughafenwiesen besonders wohl fühlt. Es dauert keine drei Minuten, bis sie, ausgestattet mit Fernglas und Teleobjektiv, im Gras das erste Exemplar ausmachen.

Mit seinem charakteristischen langgekrümmten Schnabel ist der Brachvogel auch für Laien gut zu erkennen. Fachmann Weindl vermag sogar, auf 50 Meter Entfernung das Geschlecht zu bestimmen – es ist ein Männchen: "Der Schnabel ist ein bisschen kürzer und weniger gebogen als beim Weibchen." In den folgenden zwei Stunden bekommen sie dann Dutzende Große Brachvögel zu Gesicht. Obendrein entdecken sie in den Wiesen auch mehrere Kiebitze, eine andere stark gefährdete Vogelart, die sich am Flughafen heimisch fühlt. Gotzler und Weindl sind regelmäßig auf den Grünflächen unterwegs, um sich ein Bild vom aktuellen Vogelbestand zu machen.

Mehr als 95 Prozent des Brachvogelbestandes im Vogelschutzgebiet "Nördliches Erdinger Moos" sind im Inneren des Flughafenzauns anzutreffen. Zuletzt wurden hier 88 Brutpaare gezählt. Das ist vor allem dem ausgeklügelten Biotopmanagement des Airports zu verdanken, erzählt Gotzler, die in der Umweltabteilung des Flughafens für Naturschutz, Ökologie und Umweltverträglichkeit zuständig ist: "Das Gras auf den Flughafenwiesen wird nur zwei Mal jährlich gemäht. Bodenbrüter fühlen sich so besonders wohl, für Raub- oder Schwarmvögel ist diese Landschaft dagegen relativ uninteressant."

Außerdem gelangen natürliche Feinde wie der Fuchs nur schwer ins Innere des Flughafenzauns. Falls doch, kommt außerhalb der Brutzeit Dackeldame Bluna zum Einsatz – tatsächlich besteht ihre Hauptaufgabe darin, den Fuchs zu verscheuchen.

Biotopmanager Oliver Weindl, Dackel Bluna und Umweltexpertin Julia Gotzler haben ein wachsames Auge auf geschützte Vogelarten

Vögel und Flieger vertragen sich

Brachvögel und Flugbetrieb sind nur deshalb miteinander vereinbar, weil die Bodenbrüter kaum fliegen und keine Schwärme bilden. Deshalb ist die Vogelschlaggefahr für die startenden und landenden Flugzeuge gering: Der Münchner Airport hat eine der niedrigsten Vogelschlagraten in Deutschland.

Der Große Brachvogel zählt zu den Zugvögeln. Er hat eine Lebenserwartung von etwa 20 Jahren und gilt als standorttreu: »Die Paare, die wir sehen, kommen jedes Jahr wieder. Ganz
offensichtlich gefällt es ihnen bei uns«, bestätigt Wildlife-Manager Weindl.

Wertvolle Biotopflächen

Brachvogel und Kiebitz sind bei Weitem nicht die einzigen Lebewesen, die auf den insgesamt rund 2.000 Hektar Grünflächen des Airports inner- und außerhalb des Flughafenzauns ideale Lebensbedingungen vorfinden. Auch Grauammer, Wachtelkönig und Feldlerche sind hier zu Hause. Und auf den wertvollen Ausgleichsbiotopflächen des Airports wachsen und gedeihen geschützte Pflanzenarten wie Helmknabenkraut, Karlszepter und kriechender Sellerie.

Ein Zuhause für Moorschmetterlinge

Ein besonderes Ziel verfolgt Umweltexpertin Gotzler in einem mehrjährigen Projekt: Sie möchte seltene und bedrohte Moorschmetterlinge wie den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, das Wald-Wiesenvögelchen oder den Randring-Perlmutterfalter wieder heimisch machen – auf dafür extra ausgewählten Grundstücken in der Region. Für die Moorschmetterlinge entsteht im Auftrag des Flughafens ein fünf Hektar umfassender, geschützter Lebensraum.

  • Der vom Aussterben bedrohte Große Brachvogel findet auf den Wiesen des Air- ports einen geschützten Lebensraum
  • Auch der Kiebitz zählt zu den stark gefährdeten Wiesenbrütern. Der Flughafen will seine Lebensräume rund um den Airport schützen und ausbauen

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