Wie Fliegen grüner werden kann

Am Flughafen 

"Wir haben das ambitionierte Ziel, als erster deutscher Flughafen unseren Airport CO2-neutral zu betreiben", erklärt Flughafenchef Dr. Michael Kerkloh zur neuen Klimaschutzstrategie, die vor rund einem Jahr in den Führungsgremien verabschiedet wurde. Dafür investiert das Unternehmen insgesamt 150 Millionen Euro in eine breite Palette von technischen Maßnahmen: "Bis zum Jahr 2030 wollen wir unsere direkt zurechenbaren CO2-Emissionen um 60 Prozent reduzieren und die verbleibenden 40 Prozent durch geeignete, möglichst regionale Kompensationsmaßnahmen ausgleichen", sagt Dr. Kerkloh.

Wie der Airport seinen CO2-Ausstoß minimiert

Als erster großer Verkehrsflughafen weltweit stellte der Münchner Airport schon 2011 die Vorfeldbeleuchtung auf energiesparende LED-Technik um. Mehr als die Hälfte seines Strombedarfs und nahezu die gesamte Heizwärme produziert der Flughafen mit umweltfreundlichem Erdgas im eigenen Blockheizkraftwerk. Außerdem setzt der Airport zunehmend alternative Treibstoffe wie Biodiesel und sogenannten C.A.R.E.-Diesel, also recycelten Kraftstoff, ein.

Der Anteil von Elektrofahrzeugen im Fuhrpark wird massiv ausgebaut. In Kürze soll das erste klimaneutrale Parkhaus am Airport in Betrieb gehen: Es produziert dank Photovoltaikanlage auf dem Dach mehr Energie, als für den Parkhausbetrieb benötigt wird. Flugzeuge werden durch Pre-Conditioned-Air-Anlagen (PCA) klimatisiert, die den Einsatz der Flugzeug-Hilfsturbinen reduzieren und so Kerosin sparen. Durch emissionsabhängige Landeentgelte schafft der Flughafen außerdem einen Anreiz für die Airlines, möglichst umweltfreundliche Flugzeuge einzusetzen.

Infos zu weiteren Klimaschutzmaßnahmen am Airport finden Sie hier.

Elektromobilität auf dem Vorfeld, HIntergrund Airbus A380 der Emirates
Elektrofahrzeuge sind eine Selbstverständlichkeit auf dem Vorfeld des Flughafens München - von der Treppe über Gepäckbänder und Hublifter für Frachtpaletten bis hin zu PKWs.
Eine zukünftige Energiequelle?
Im Algentechnikum erforschen Wissenschaftler, wie man Biokerosin aus Algen produzieren kann, so dass sich eine kommerzielle Nutzung lohnt. © Andreas Heddergott / TUM

In der Luft

Die Weiterentwicklung der konventionellen Flugzeugtechnik sorgt dafür, dass der Kerosinverbrauch seit Jahren kontinuierlich zurückgeht: Deutsche Airlines benötigen nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft aktuell im Schnitt nur noch 3,64 Liter pro Passagier und 100 Kilometer – 1990 waren es noch 6,3 Liter. Neue Flugzeugtypen tragen zur Reduzierung bei: So verbraucht der Airbus A350 etwa 25 Prozent weniger Treibstoff als vergleichbare Vorgängermodelle. Und das neue "UltraFan"-Triebwerk des Herstellers Rolls-Royce soll bei seiner Einführung ab 2025 nochmals ein Viertel sparsamer als die bisherige Technik sein.

Grüne Luftfahrt erfordert neue Konzepte

Schon 2009 haben sich Fluggesellschaften, Flugzeughersteller, Flugsicherungen und Flughäfen weltweit auf eine Klimaschutzstrategie verständigt: Ab 2020 soll der CO2-Ausstoß des Luftverkehrs stufenweise reduziert werden. Langfristig strebt die internationale Luftfahrt das Ziel an, komplett klimaneutral zu fliegen.

Mit konventioneller Technik ist dieses Ziel nicht zu erreichen, sind sich Experten einig. Neue Flugzeugkonzepte und alternative Kraftstoffe und Antriebe müssen entwickelt werden. Im "Algentechnikum" in Ottobrunn bei München und in ihren Laboren in Garching erforschen Wissenschaftler der Technischen Universität München, wie man Biokerosin aus Algen so effizient produzieren kann, dass sich eine kommerzielle Nutzung lohnt. Zahlreiche Projekte weltweit wollen das Thema Elektroantrieb für Flugzeuge weiter vorantreiben. Airbus entwickelt mit Siemens und Rolls-Royce einen hybriden Elektroflieger mit 90 Sitzplätzen, der schon 2020 zu einem ersten Testflug starten soll.

Für Passagiere

Wer den eigenen CO2-Fußabdruck möglichst klein halten möchte, kann seinen Flug mit nur wenigen Mausklicks klimaneutral gestalten. International anerkannte Organisationen wie myclimate oder atmosfair bieten eine einfache Möglichkeit der Kompensation: Wer auf der Website des Anbieters Start und Ziel seines Flugs eingibt, sieht sofort, wie viel CO2 durch die Reise ausgestoßen wird – beispielsweise 0,354 Tonnen CO2 für einen einzelnen Passagier beim Flug von München nach Paris und zurück. Um diese Bilanz auszugleichen, kann der Flugreisende mit einer Spende von acht Euro Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern unterstützen.

Der Anbieter verpflichtet sich, mit diesem Beitrag die genannte Menge an CO2 einzusparen. Die Projekte werden von unabhängigen Experten überprüft, es gelten strenge Qualitätsstandards. Wer möchte, erhält eine Urkunde mit detaillierten Informationen über das unterstützte Klimaprojekt.

Sie möchten auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten? Noch mehr Infos und Tipps zum Thema nachhaltiges Fliegen finden Sie hier.

Mit wenigen Klicks können Passagiere Ihren Flug klimaneutral gestalten. 
Eine gute Möglichkeit der Kompensation: Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern unterstützen. © myclimate/ADES

Ähnliche Themen