Winterdienst am Airport

Volle Power aus der Region

Wie räumt man Schnee auf einer Fläche von vier Millionen Quadratmetern? Der Flughafen München setzt auf die tatkräftige Unterstützung von Sepp Fleischmann und seinen Kollegen: Landwirte und Fuhrunternehmer aus der Region halten im Winterdienst die Wege für den Flugbetrieb frei.

Ein grauer Nebeltag kurz vor Allerheiligen: Sepp Fleischmann fährt seinen Traktor an den Flughafen, für den Weg benötigt er von seinem Pachthof in Oberding gut 20 Minuten. Am Airport montiert er mit dem 36-er-Schraubenschlüssel und routinierten Handgriffen die Winterdienst-Spezialausrüstung an seinen Schlepper: vorne den mehr als fünf Meter breiten Schneepflug, hinten den Kehranhänger. Dann geht es zur Endabnahme durch die Technikabteilung des Flughafens.

Vom 1. November bis Mitte April sind Fleischmann und sein Gefährt rund um die Uhr einsatzbereit: Wenn er von der Winterdienstzentrale alarmiert wird, muss der Landwirt und Fuhrunternehmer innerhalb von 60 Minuten startklar für den Räumdienst am Flughafen sein.

450 Landwirte und Fuhrunternehmer aus dem Umland sind im Winterdienst des Flughafens im Einsatz. Sepp Fleischmann ist dieses Jahr bereits zum 23. Mal dabei

Einsatzzentrale ist gerüstet

Fleischmann ist Teil der großen Winterdienst-Kolonne am Airport, die mehr als 200 Fahrzeuge umfasst, darunter 88 Traktoren aus dem Umland. Insgesamt sind im Winterdienst 640 Männer und Frauen im Einsatz, 450 davon sind Landwirte und Fuhrunternehmer aus der Region. Pro Schicht sorgen 170 Mitarbeiter für schnee- und eisfreie Flächen innerhalb des Flughafenzauns. Um den sicheren Flughafenbetrieb zu gewährleisten, müssen bei Schneefall riesige Areale geräumt werden: Allein die zwei Start- und Landebahnen, Vorfelder und Rollwege umfassen rund vier Millionen Quadratmeter, umgerechnet 560 Fußballfelder.

Zum Einsatz kommen neben Traktoren mit Schneepflug auch zahlreiche Spezialfahrzeuge, vom Kehrblasgerät über Verladefräsen bis hin zur Pistenraupe. Die geräumten Schneemassen werden auf die eigens eingerichtete Schneedeponie verfrachtet. Pro Saison kommen hier insgesamt rund 450.00 Kubikmeter Schnee zusammen. Ein unterirdisches Auffangbecken sorgt dafür, dass das Schmelzwasser nicht in die Umwelt gelangt.

Am Flughafen koordiniert ein Schichtleiter den Einsatz der Räumfahrzeuge. "Die Startbahn hat immer Priorität", erklärt Gerhard Blumoser von der Winterdienst-Einsatzzentrale des Airports. Im Bedarfsfall wird die Piste für Starts und Landungen komplett gesperrt. Damit es schnell geht, räumen dann mehrere Fahrzeuge parallel. Nach spätestens 25 Minuten soll die Bahn wieder für den Flugverkehr freigegeben werden. "Da kommt es wirklich auf jede Minute an", berichtet Blumoser. "Deshalb müssen wir uns auch auf die externen Mitarbeiter hundertprozentig verlassen können."

Allein auf den Abstellpositionen auf den Vorfeldern kommen über 90 Räumfahrzeuge zum Einsatz. Die zu bearbeitende Fläche am Münchner Airport beträgt gut vier Millionen Quadratmeter

Willkommene Einnahmequelle

Sepp Fleischmann ist einer, auf den immer Verlass ist. Seit 23 Jahren ist er jetzt dabei, 1994 hatte er nur einen einzelnen Traktor im Einsatz: "Für uns Landwirte gab es während der Wintermonate ein finanzielles Loch, da kam das Angebot des Flughafens gerade recht", erinnert er sich.

Im Laufe der Jahre hat er sich immer weiter auf den Winterdienst am Airport spezialisiert: In dieser Saison ist er mit fünf eigenen Fahrzeugen und mehreren Mitarbeitern dabei. Zudem beschäftigt er zahlreiche weitere Subunternehmer, die in seinem Auftrag mit eigenen Traktoren am Airport Schnee räumen. Fleischmann hofft auf einen möglichst strengen Winter, denn bezahlt wird er pro Einsatz. Für ihn und seine Kollegen gilt die einfache Formel: "Mehr Schnee, mehr Geld!"

200 Fahrzeuge umfasst der Fuhrpark des Winterdienstes. Dazu zählen mehr als 80 Traktoren, die mit großen Schneepflügen sowie einem Kehranhänger ausgerüstet werden. Ein Schlepper belegt auf dem Stellplatz insgesamt sechs Pkw-Parkplätze

Eindrücke vom Winter 2016/17

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