Niederschlagswasser und Hochwasserschutz

Der natürliche Wasserhaushalt

Im natürlichen Wasserkreislauf versickert der Niederschlag im Boden, fließt oberirdisch ab oder verdunstet. Auf versiegelten Flächen fließt Regenwasser deutlich schneller ab und trägt kaum zur Grundwasserneubildung bei.

Am Flughafen München sind rund 660 Hektar versiegelt. Jährlich fallen dort etwa 5 Mio. m³ Niederschlagsabfluss an. Versickerungsanlagen und begrünte Dächer sorgen dafür, dass ein Teil des Regenwassers vor Ort zurückgehalten, verdunstet oder versickert wird. So wird der natürliche Wasserhaushalt unterstützt und das Kanalsystem und Gewässer entlastet.

Regenwasserbewirtschaftung / Entwässerungssysteme

Der nachhaltige Umgang mit Niederschlagswasser ist ein wichtiger Baustein der Wasserwirtschaft. Zunehmend wird am Flughafen München auf eine dezentrale Bewirtschaftung gesetzt, bei der das Regenwasser direkt vor Ort zurückgehalten und versickert wird.

Ein Teil der Regenwasserbewirtschaftung am Flughafen München sind Retentionsdächer. Diese nehmen Niederschlagswasser auf, speichern es temporär und geben es zeitverzögert wieder ab. Dadurch werden Entwässerungssysteme entlastet und das Risiko von Überflutungen reduziert. Ihr Einsatz wird bei Neubauten geprüft, einige sind bereits umgesetzt – teils mit Photovoltaik kombiniert.

Ergänzend kommen Mulden und Rigolen zum Einsatz. In Mulden wird Regenwasser gesammelt, zwischengespeichert und über den bewachsenen Oberboden versickert. Wo offene Mulden nicht möglich sind, übernehmen unterirdische Rigolen die Rückhaltung und verzögerte Versickerung. Beide Systeme tragen dazu bei, Abflussspitzen zu reduzieren und den natürlichen Wasserhaushalt zu unterstützen.

Mulde mit Zulaufgerinne 

Einbau unterirdische Kunststoffrigole

Hochwasserschutzmaßnahmen

Mit dem Bau des Flughafens wurden Abfanggräben zur Ableitung von Hochwasser um das Flughafengelände herum angelegt. Zusätzlich wurde das Kanalsystem so dimensioniert, dass es auch große Wassermengen effizient abführen kann. Wichtig war auch, dass die von den befestigten Flächen abfließende Niederschläge nicht zu einer Verschärfung der Hochwassergefahr für die Umgebung beitragen.

Für zunehmende Starkregenereignisse verfolgt der Flughafen eine dreistufige Vorsorgestrategie. Mithilfe hydrologischer und hydraulischer Abflussmodelle werden Überflutungsrisiken realistisch simuliert, bewertet und priorisiert. Ziel ist es, Risiken für Gebäude, Verkehr und Betrieb frühzeitig zu erkennen und durch bauliche oder organisatorische Maßnahmen zu reduzieren.

Das Abflussmodell des Flughafens umfasst eine Fläche von rund 230 Quadratkilometern und basiert auf aktuellen Laserscan und Vermessungsdaten. Es dient der Visualisierung von Überflutungsgefahren und bildet die Grundlage für die kontinuierliche Weiterentwicklung von Schutz und Vorsorgemaßnahmen.

Auszug aus dem 2D-Abflussmodell

Starkregen-Risikomanagement (3-Stufen-Ansatz)

I. GEFAHRENANALYSEII. RISIKOBEWERTUNGIII. PRÄVENTION

Abflussmodellierung

Vulnerabilitätsanalyse

Umsetzung von Abhilfemaßnahmen

Simulation ausgewählter SzenarienObjekt- und flächenbezogene RisikoanalyseBetriebs- und Notfallpläne
WasserstandsanalyseOrtsbegehung und PriorisierungObjektschutz und Retention
ContIdentifikation von GefahrenbereichenentRisikokommunikationÜberflutungssichere Infrastrukturplanung

Starkregenmanagement

Das Abflussmodell hilft dabei, Starkregen am Flughafen besser zu managen. Es prüft, die Leistungsfähigkeit von Gräben und Entwässerungssysteme und zeigt, wo es bei starken Niederschlägen zu Rückstau oder Oberflächenabfluss kommen kann.

Simulationen zeigen, dass es vor allem in tief liegenden Bereichen stellenweise zu Überflutungen kommen kann. Die Ergebnisse helfen, Risiken besser einzuschätzen und gezielt Maßnahmen zu planen, um den Flughafen widerstandsfähiger gegen extreme Wetterereignisse zu machen und somit die Klimaresilienz zu erhöhen.