Analoge Fähigkeiten versus digitale Technik

Podiumsdiskussion mit dem LabCampus-Geschäftsführer Dr. Marc Wagener auf der SXSW Interactive in Austin

19.03.2019
Ist die Zukunft der Technologie menschlich? LabCampus-Geschäftsführer Dr. Marc Wagener setzt auf ein kollaboratives und menschliches Prinzip und stellt damit bei der SXSW Interactive Konferenz die Weichen zur Ausrichtung des künftigen Innovationszentrums am Münchner Flughafen.

Das LabCampus-Team ist zurück von der South by Southwest in Texas. Für Digital- und Kreativunternehmer aus aller Welt bietet die SXSW alljährlich eine Plattform für die Zukunft des soziologischen, kulturellen und technischen Umbruchs. Jene, die sich über die Rolle des Menschen in diesem Kontext informieren wollten, besuchten die hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion „Ist die Zukunft der Technologie menschlich?“, die von der LabCampus GmbH initiiert wurde. Gleich zu Beginn stellte LabCampus-Geschäftsführer Dr. Marc Wagener seinen Standpunkt klar: „Technologie hat das Potential, unser Leben zu verbessern, solange wir selbst die Fäden ziehen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf für uns alle. Denn sonst entstehen Dinge durch die Triebkraft Einzelner, die jedoch nicht dem Willen der Mehrheit entsprechen.“

Olaf Groth, Professor für Strategie, Innovation und Ökonomie an der HULT International Business School, vergegenwärtigte den Anwesenden: „Die kulturelle Haltung zu Daten und die daraus resultierende Macht jener, die die Kontrolle über die Daten haben, ist weltweit divergent.“ Szenarien, in denen künstliche Intelligenz eines Tages die gesamte menschliche Arbeit oder gar die ganze Welt übernehmen könnte, hält er dennoch für übertrieben. Dr. Groth unterstrich: „Wichtig ist, dass Individuen und gesellschaftliche Institutionen in die Lage versetzt werden, diese Entwicklung zu kontrollieren, beweglich und flexibel zu gestalten und selbst zu bestimmen!“ Als Beispiel fügte er hinzu: „Viele Automobilhersteller sagen: ‚Unsere Autos sind sicher – belegt durch Testergebnisse, unsere Fahrzeuge machen Freude und sind von hoher Qualität. Und genau das bekommen Sie für Ihr Geld…‘ - warum erwarten wir von Internetunternehmen nicht das gleiche Verhalten wie von allen anderen in unserem Leben?“

Ryan Kelly von Virgin Hyperloop One verdeutlichte, wie Technologie die Arbeitsgewohnheiten in den Gesellschaften neu bestimmt: „Highspeed-Infrastruktur ist nicht länger eine Sache der ,Mobilität‘ – sie wird die soziale und urbane Landschaft völlig umdefinieren. Wir werden über Entfernungen pendeln, die wir niemals für möglich hielten.“

Fábio Duarte vom MIT Senseable City Lab erläuterte, dass das Zusammenspiel zwischen Bürgern, digitaler Infrastruktur und Städten zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. „Über 90 Prozent der Fahrten in New York könnten in Fahrgemeinschaften unternommen werden, wenn die Leute gewillt wären, auch mal fünf Minuten zu warten. Kommerzialisierte Unternehmen mit digitalisierten Sharing-Services waren jedoch schneller.“ Wenn also Daten das neue Öl sind, dann hat es keinen Zweck, einfach nur zu bohren, um zu Reichtum zu gelangen. Der Wert liegt darin, die Daten herauszufiltern, die echtes menschliches Verhalten abbilden und darauf aufzubauen. Und dafür ist wahrscheinlich auch der Mensch vonnöten.

Aber wie können wir nun sicherstellen, dass die Technologie nicht die Kontrolle übernimmt, und wie wird die Zukunft der Menschheit aussehen? „Technologie ist die Entwicklung von Menschen. Wir müssen sicherstellen, dass diese Entwicklung im Interesse der Mehrzahl geschieht und nicht in Einzelinteressen oder aus reiner Profitorientierung. Deswegen müssen wir dafür sorgen, dass bei der Entwicklung der Technologien unterschiedliche Kompetenzen und Sichtweisen einbezogen werden. Das ist letztlich die Ausweitung unserer Kollaboration auf eine andere Ebene”, ist die Antwort von LabCampus-Chef Dr. Wagener.

Womit man natürlich bei Konzepten wie dem Innovationsstandort am Flughafen München genau richtig ist. Im Zeitalter digitaler Kommunikationskanäle und KI-Chatbots steigt parallel das Bewusstsein, dass sich Menschen treffen, zusammen an Problemen arbeiten und Denkansätze austauschen. LabCampus bietet genau diese Möglichkeiten: „Nur wenn Menschen physisch aufeinandertreffen, zusammenarbeiten und Erfahrungen austauschen, können langfristige, nachhaltige Ideen auch sicher in die Realität übertragen werden. LabCampus bietet eine Plattform dafür, dass verschiedenste analoge Fähigkeiten zusammenkommen und die Zukunft gestalten können“, erklärt Wagener weiter.

„Bei LabCampus ist eigentlich das ganze Jahr über SXSW im Kleinen”, ergänzt Fábio Duarte, „Hier treffen Kreativität im Hightech-Bereich, verschiedene Kulturen und Menschen, ständiges Lernen und Inspiration aufeinander. LabCampus ist kein Ort und kein Gebäude, sondern eine Einstellung.“

Bitte beachten Sie dazu den Mitschnitt der LabCampus Podiumsdiskussion bei der SXSW 2019 im German Haus:
Videozusammenschnitt und Impressionen
Audiomitschnitt der Paneldiskussion

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