"Super Connie" wird restauriert: Interview mit Florian Morasch

 Über ein Flugzeug, das die Welt näher zusammenbrachte

28.10.2026

In den 1950er Jahren revolutionierte die Super Constellation den Transatlantikflug, heute ist sie das Herzstück im Besucherpark des Flughafens München. Damit ihre Geschichte am Airport weiterlebt, wird die legendäre Maschine derzeit in einem Gemeinschaftsprojekt von Flughafen und Lufthansa aufwendig restauriert. 

Florian Morasch vom Besucherpark-Team ist passionierter Luftfahrtexperte. Im Interview erklärt er, was die "Super Connie" so einzigartig macht, welche Herausforderungen die Arbeiten mit sich bringen und warum ihn dieser besondere Flieger nicht loslässt.

  • Florian Morasch arbeitet seit 26 Jahren im Besucherpark des Münchner Airports und begleitet das Projekt sehr eng. Seit über 30 Jahren begeistert er sich für die Luftfahrt und hat sich ein großes Wissen über die Super Connie angeeignet: "Wenn man so ein besonderes Flugzeug an seinem Arbeitsplatz hat, liest man sich schon gerne in seine Geschichte ein."
  • Auch an Legenden wie der Lockheed L-1049G Super Constellation im Besucherpark geht die Zeit nicht spurlos vorüber. Aktuell steht für die beliebte "Grande Dame der Luftfahrt" eine umfangreiche Schönheitskur an. 
    Auch an Legenden wie der Lockheed L-1049G Super Constellation im Besucherpark geht die Zeit nicht spurlos vorüber. Aktuell steht für die beliebte "Grande Dame der Luftfahrt" eine umfangreiche Schönheitskur an. 

Herr Morasch, stellen Sie sich vor, es ist 1955 und Sie sitzen auf einem Fensterplatz in der Super Constellation, beim ersten Linienflug der Lufthansa über den Atlantik. Wie hätten Sie diesen Meilenstein erlebt?

Florian Morasch: Natürlich wäre mir die Geschichte der Atlantikflüge durch den Kopf gegangen und wie die Fliegerei diesen Ozean erst mühsam bezwingen musste – untrennbar verbunden mit Namen wie John Alcock und Arthur Brown, Charles Lindbergh oder der Besatzung der "Bremen", Hermann Köhl, Freiherr von Hünefeld und Major Fitzmaurice. Von Letzteren erzählte mir mein Opa: 1928 hatte er als 14-jähriger deren ersten Flug über den Atlantik von Ost nach West, von Irland nach Neufundland, mitverfolgt, in 36 Stunden gegen Sturm, Nacht und Nebel. Die Namen dieser Pioniere kennt heute fast niemand mehr, viele mussten ihren Wagemut mit dem Leben bezahlen. 1938 flog eine deutsche Focke-Wulf Fw 200 der Lufthansa in über 24 Stunden nonstop von Berlin nach New York. Die Super Constellation benötigte in den fünfziger Jahren 17 Stunden – und heute fliegt man in neun Stunden zweistrahlig über den Teich. Faszinierend, oder?

Sie haben den Anstoß für die Restaurierung gegeben. Wie kam es dazu?

Kurz vor Corona mussten wir uns Gedanken über die Erneuerung der Treppen an der Maschine machen. Während der Pandemie, alle Projekte lagen auf Eis, war die "Super Connie" dann geschlossen. Heuer haben wir gemeinsam mit Lufthansa größere Instandhaltungsmaßnahmen begonnen, denn 50 Jahre im Freien stehen, bei jeder Witterung, am mittlerweile dritten Flughafen – das hat dem alten Flugzeug nicht gutgetan, Stichwort Korrosion. Bei genauerem Hinsehen entdeckten wir viele sichtbare Schäden wie etwa getrübte Fenster. Zum Glück hat das Flugzeug keinen Schaden an seiner Struktur genommen, das hätte sein Ende bedeutet. 

Wie ist der aktuelle Stand?

Eine erste Begutachtung übernahm die renommierte Restaurierungswerkstatt des Deutschen Museums in Oberschleißheim. Dann kontaktierten wir die Experten von Lufthansa Technik hier am Standort, die sich für das Projekt begeistern ließen und federführend mit ihrer Expertise tätig wurden: Sie entfernten Korrosion, ersetzten einige Bauteile außen am Rumpf, an den Flügeln, Fahrwerken und am Leitwerk. Limitierender Faktor ist aktuell das Wetter, wir haben die Maschine nun eingewintert. Nach dem Winter wird sie in den historischen Farben der Lufthansa aus den fünfziger Jahren neu lackiert. Zudem steht die Kabine an, werden Innenverkleidungen, Boden und Sitze neu bezogen.

Was waren bislang die größten Herausforderungen bei den Arbeiten?

Man weiß nie, welche Überraschung sich hinter der nächsten Abdeckung verbirgt und wie lang alles dauert. Wie sagte ein Techniker so schön: "Du machst einen Deckel auf und kannst gleich vier Monate draufrechnen." Die Struktur im Rumpf hat durch die Transporte und Verkranungen ziemlich gelitten. Dazu fehlten stabilisierende Bauteile im unteren Rumpf, die herausgeschnitten worden waren – von wem und warum werden wir nie erfahren. Neu für mich war, dass wir im Besucherpark Seeklima haben: Von der Schnellstraße Richtung Terminals, die direkt bei uns vorbeiführt, weht im Winter permanent Salznebel über die historischen Flieger. Und der schädigt die Maschinen natürlich.

Wie restauriert man ein Flugzeug aus den 1950er Jahren? Braucht es spezielle technische Kenntnisse?

Definitiv. Hier ist das ganze Können der Metallflugzeugbauer von Lufthansa gefragt. Oft mussten sie kreative Lösungen finden, denn Ersatzteile sind fast nicht zu bekommen. Beispielsweise waren die Bleche am Übergang zwischen Flügeln und Motoren doppelt sphärisch geformt, also in zwei Richtungen gekrümmt. Heute gibt es nahezu keine Firma mehr, die so etwas herstellen kann. In vielen Fällen fanden die Techniker eine pragmatische optische Alternative. Wie akribisch sie arbeiten, zeigten sie auch beim Einbau neuer Cockpitscheiben – jede musste mit 60 Schrauben im Rahmen fixiert werden. Als alle fertig montiert waren, hatte das Flugzeug endlich wieder sein Gesicht. Am Ende geht es darum, dass die Maschine wieder begehbar wird.

Warum lohnt sich dieser Aufwand für ein Flugzeug, das nie wieder fliegen wird?

Die Super Constellation gehört zum Besucherpark und zum Flughafen wie der Tower, der Besucherhügel oder das Airbräu. Unzählige Male mussten wir die Frage schon beantworten, wann der Flieger wieder betretbar ist. Wir wollen dieses historische Kulturgut bei uns unbedingt erhalten – schließlich gibt es von der Maschine in Europa nur zwei weitere in Museen. Heutzutage ist das Fliegen für die meisten Menschen zur Selbstverständlichkeit geworden. Leider kümmert es viele nur noch, warum ihr Flug Verspätung hat oder wo der Koffer bleibt. Dabei geht es beim Fliegen um einen Traum, den die Menschheit sich selbst verwirklicht hat – das ist ein Privileg und eben nicht selbstverständlich! Für dieses Gefühl, diese Sehnsucht steht die "Super Connie".

Worauf dürfen sich Besucherparkfans künftig freuen, wenn die "Super Connie" in neuem Glanz erstrahlt?

Natürlich machen wir uns jetzt schon Gedanken über ein Ausstellungskonzept, wenn der Flieger fertig restauriert ist. Ohne zu viel zu verraten, da wird kommendes Jahr im Besucherpark einiges passieren.

Impressionen: Neuer Glanz für die "Super Connie"

  • Hand in Hand für ein Stück Luftfahrtgeschichte: Gemeinsam bringen Experten der Flughafen München GmbH und Lufthansa Technik die Lockheed Super Constellation im Besucherpark wieder auf Vordermann. 
  • Bei der aufwendigen Restaurierung der Super Connie nehmen die Fachleute auch die Verbindung zwischen Tragfläche und Flugzeugrumpf genau unter die Lupe. 
  • Blick ins Triebwerk: Die 18-Zylinder-Sternkolbenmotoren der Super Connie sehen aus, als würden sie jederzeit wieder anspringen wollen. 
  • Die Kabine der Super Connie wird weitgehend entkernt und nach historischem Vorbild wieder aufgebaut. Auch die Fenster wurden mit den Jahren trüb und müssen ausgetauscht werden. 
  • Die Super Constellation war eines der ersten Passagierflugzeuge mit Druckkabine, konnte etwa 100 Reisende transportieren und prägte mit mehr als 850 gebauten Exemplaren die Ära des transatlantischen Flugverkehrs maßgeblich.  © Lufthansa Bildarchiv
  • Auch am alten Münchner Flughafen Riem war die Lockheed Super Constellation einst zu Gast – wie diese historische Aufnahme zeigt.  © Lufthansa Bildarchiv

Von der Transatlantikroute in den Besucherpark

  • Die im Besucherpark ausgestellte Lockheed L-1049G Super Constellation wurde 1957 für Air France gebaut und vor allem auf internationalen Langstrecken eingesetzt. 

  • Nach ihrer Ausmusterung 1967 flog sie noch einige Jahre als Frachtmaschine für die französische Compagnie Air Fret und war bis 1976 die letzte kommerziell genutzte Super Constellation Europas.

  •  1978 kam das Flugzeug nach Deutschland und wurde zunächst in Düsseldorf, später in Frankfurt als Ausstellungsstück gezeigt, wo es erstmals eine Lufthansa-Lackierung erhielt. 

  • Seit 1993 steht die "Super Connie" im Besucherpark des Flughafens München. 

  • 2001 führte ein Team ehrenamtlich arbeitender Lufthansa- und FMG-Techniker dringend notwendige Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten durch. 

  • Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die historische Maschine aufgrund ihres technischen Zustands für Besucher:innen geschlossen.

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