Trainingsplatz für Cyber-Profis

Der neue "Information Security Hub" am Flughafen

Von der Phishing-Mail bis zum Hacker-Großangriff: Ab Februar lassen sich im "Information Security Hub", dem Kompetenzzentrum gegen Cyber-Kriminalität am Flughafen, Bedrohungen aller Art simulieren.

Auf den ersten Blick sieht es in der ehemaligen Postverteilhalle am Flughafen aus wie in einem Vergnügungspark für Erwachsene: hier ein Amphitheater mit Riesenleinwand, daneben eine abgeschnittene Tower-Kanzel, gegenüber ein Glaskasten mit bekritzelten Scheiben, dazwischen gemütliche Gastronomie. Tatsächlich geht es aber nicht um Freizeitspaß. Das brandneue Information Security Hub (ISH) ist eine ultramoderne Test- und Übungsumgebung für erfahrene oder angehende Experten, alle Bereiche haben – oft mehrere – bestimmte Funktionen (siehe Skizze).

Unternehmen, Behörden und andere Institutionen können hier Security-Experten für ihre Organisation aus- und weiterbilden sowie zukünftig eingesetzte Technologien und Verfahren prüfen. Gleich nach der Eröffnung am 31. Januar trifft sich die Branche im ISH zum zweitägigen "Aviation Information Security Congress". "Die meisten Technikfans bekommen hier leuchtende Augen", sagt Projektleiter Marc Lindike mit Blick auf mehrere Hundert Computer, Kameras und Netzwerkkomponenten, die in dieser einzigartigen Trainings- und Testlandschaft verbaut wurden. Alle Elemente sind für unterschiedliche Szenarien frei konfigurierbar und für größere Übungen lassen sich die Bereiche auch zu einem gesamten Flughafengebäude verbinden – samt öffentlichem und nicht-öffentlichem Bereich, Passagierkontrollen und Check-in, Handel und Gastronomie.

Die derzeit installierten Systeme sollen mittelfristig zu einem immer komplexeren Referenzflughafen heranwachsen und auch jenseits der IT-Sicherheit, etwa bei Innovationsthemen, eingesetzt werden. Für den Aufbau und Betrieb des Kompetenzzentrums hat sich der Flughafen die Unterstützung der Firmen ERNW Insight, HvS-Consulting und iT-CUBE SYSTEMS gesichert, die seit vielen Jahren für die Stärkung der Informationssicherheit im Einsatz sind. Neben Akteuren der Luftverkehrsbranche steht das Weiterbildungs- und Testangebot auch anderen Organisationen offen. Dies gilt etwa für Unternehmen aus den Sektoren Mobilität, Industrie und Green Technologies sowie für Firmen und Institutionen, die komplexe Infrastrukturen und Gebäude betreuen.

Kontakt und weitere Informationen finden Sie unter: www.munich-airport.de/ish und infosec-hub.de


Die Bereiche des "Information Security Hubs" im Detail

1. Trainingsraum & Labor für "Operational Technology"
An den Wänden sind funktionsfähige Komponenten für Steuerungstechnik installiert, in der Mitte stehen zwei Labortische und Stühle für bis zu 24 Schulungsteilnehmer. Sie befassen sich hier mit Themen wie Industrie 4.0, smarter Gebäudetechnik oder Gepäckförderanlagen.

2. Trainingsraum "Office IT"
Hier dreht sich alles um Bürotechnik und ihre möglichen Sicherheitslücken. An den Stirnwänden des Schulungsraums finden sich IT-Geräte wie Telefone, Drucker und PCs.

3. Freiflächen und Gastronomie
In diesem Bereich werden nicht nur Seminarteilnehmer verpflegt. Dank Ausrüstung mit vollständiger Restaurant-IT lassen sich hier auch unterschiedliche Kassen und Bestellsysteme testen.

4. Design Thinking Lab
Design Thinking ist ein Ansatz zur kreativen Problemlösung in Teams. Dieser gläserne Raum wurde eigens für entsprechende Trainings und Workshops konzipiert. Bei Airport-Simulationen verwandelt er sich in ein Geschäft mit allen zugehörigen IT-Systemen.

5. Control Center
Eine 14 Meter breite 180-Grad-Leinwand, die von acht Beamern versorgt wird, steht im Fokus dieses Test- und Trainingsbereichs für Unternehmensteile wie IT, Sicherheit und Technik. Hier können beispielsweise Mitarbeiter von Security-Kontrollstellen und IT-Leitständen üben, Sicherheitskameras zu steuern oder auf Cyber-Attacken zu reagieren.

6. Tower
Die Ausmaße entsprechen einem Viertel der Tower-Kanzel am Münchner Flughafen. Innen sitzen aber keine Lotsen, sondern Regie und Steuerung von Trainings und Events. Bei IT-Sicherheitstrainings arbeitet von hier aus das "Team Red" – die Angreifer. "Team Blue" würde den simulierten Cyber-Angriff vom Control Center aus abwehren.

7. Amphitheater
Im zentralen Meeting-Raum des ISH finden bis zu 50 Teilnehmer Platz.

8. Executive Briefing Center
Hier finden Briefings und Ansprachen statt, denen die Teilnehmer von der halbkreisförmigen Tribüne aus zuhören. Auf die große Leinwand hinter der Bühne lassen sich Filme und Präsentationen aller Art projizieren. Licht- und Tontechnik der neuesten Generation liefern den passenden Rahmen.

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