Wie ein Flugplan entsteht: Interview mit Sebastian Ibel

Blick hinter die Kulissen: 

Über das Zusammenspiel von Airport und Airlines für ein starkes Streckennetz ab München 

Ende März beginnt am Flughafen München der Sommerflugplan. Doch wer entscheidet darüber, welche Airlines Kurs auf München nehmen und welche Ziele wie oft angeflogen werden? Sebastian Ibel ist verantwortlich für Slotmanagement und Verkehrsprognosen am Münchner Flughafen. Im Interview erklärt er, wie Experten am Airport Hand in Hand arbeiten, um das Flugangebot für Passagiere noch attraktiver zu machen. Plus: Sein liebstes Reiseziel in diesem Sommer.

Herr Ibel, warum gibt es überhaupt einen Sommerflugplan und einen Winterflugplan? Worin unterscheiden sie sich?

Sebastian Ibel: "Die Luftfahrt ist eine weltweit agierende Branche. Damit alles reibungslos funktioniert, braucht es internationale Standards – einer davon sind die beiden Flugplanperioden. Sie bilden die Planungsgrundlage für alle Beteiligten, vor allem Fluggesellschaften, Flughäfen und Bodenabfertiger. Ein wichtiger Unterschied ist die Dauer: Der Sommerflugplan – von Ende März bis Ende Oktober – umfasst sieben Monate, der Winterflugplan dagegen nur fünf. Auch beim Streckenangebot gibt es Unterschiede. Einige Ziele, etwa in Südeuropa, werden vor allem im Sommer angeflogen. Andere Destinationen, beispielsweise in Nordeuropa oder Nordafrika, sind im Winter gefragter. Viele Strecken, wie die innerhalb Deutschlands, zu europäischen Hauptstädten oder auf der Langstrecke, werden ganzjährig bedient."

Porträt eines lächelnden Mannes in weißem Hemd vor unscharfem Hintergrund im urbanen Umfeld. Der Mann blickt direkt in die Kamera und wirkt freundlich und professionell.
Wie entsteht ein Flugplan? Im Interview mit Sebastian Ibel werfen wir einen Blick hinter die Kulissen – und zeigen, wie Airport und Airlines gemeinsam ein starkes Streckennetz ab München entwickeln.

Es kommt also auf eine gute Mischung an Flugzielen an?

"Genau. Wir wollen ein ausgewogenes Flugangebot für unsere Passagiere schaffen – angepasst an unterschiedliche Zielgruppen. Für Urlaubsreisende sind vor allem Ziele am Meer interessant, etwa Mallorca, Antalya oder Hurghada. Wer nur für ein Wochenende verreist, entscheidet sich häufig für Städte wie Stockholm, Paris oder Barcelona. Zugleich wächst das Interesse an exotischen Langstreckenzielen wie Windhoek, Hanoi oder São Paulo. Auch Geschäftsreisende spielen am Flughafen München weiterhin eine entscheidende Rolle. Für sie sind Business-Metropolen wie London, New York oder Hongkong wichtig, aber auch spezialisierte Wirtschaftsstandorte wie Debrecen, Cluj oder Bangalore. Hinzu kommt, dass der Großraum München eine globale Einwohnerstruktur hat. Deshalb steigt auch die Nachfrage nach Verbindungen für Freunde- und Verwandtenbesuche – etwa nach Osteuropa, in die USA oder nach Indien."

Wie gelingt es dem Flughafen, neue Flugverbindungen oder Airlines nach München zu holen?

"Eine neue Flugverbindung entsteht meist nicht über Nacht. Oft ist das ein Prozess, der sich über Jahre entwickelt. Unsere Vertriebsmitarbeiter und Akquisiteure arbeiten dabei eng mit möglichen Airlines zusammen. Mithilfe von Daten und Analysen zum Potenzial einer neuen Flugverbindung versuchen sie, eine Fluggesellschaft davon zu überzeugen, München in ihr Streckennetz aufzunehmen. Ein bedeutendes Argument ist dabei die Wirtschaftskraft der Region mit zahlreichen weltweit tätigen Unternehmen, die hier ansässig sind. Gleichzeitig erklären wir der Airline, dass München und sein Umland ein attraktives Reiseziel für internationale Gäste sind – mit Kultur, Natur und touristischen Highlights."

Mehrere Flugzeuge verschiedener Airlines stehen auf dem Vorfeld des Flughafens München vor dem Tower. Die Szene symbolisiert neue Flugverbindungen und den Ausbau des internationalen Streckennetzes.
Flugzeuge am Flughafen München stehen für neue internationale Flugverbindungen und wachsendes Streckennetz.

Wie entsteht so ein Flugplan ganz konkret?

"Hauptverantwortlich für die Erstellung eines Flugplans sind die Fluggesellschaften selbst. Die Netzwerkplaner einer Airline entscheiden, welche Ziele sie anfliegen wollen. Als Flughafen stehen wir dabei kontinuierlich im Austausch. Gemeinsam überlegen wir beispielsweise, ob ein Ziel neu aufgenommen werden kann, eine bestehende Destination öfter angeflogen oder ob auf einer Strecke ein größerer Flugzeugtyp mit mehr Sitzplätzen eingesetzt wird. Ich prüfe dann, welche Start- und Landezeiten noch verfügbar sind. Diese sogenannten Slots sind im dicht gedrängten Flugplan am Münchner Airport echte Mangelware, gerade in den besonders gefragten, verkehrsreichen Zeiten am Morgen und Abend. Gleichzeitig sind sie aber Voraussetzung, um für neue Airlines attraktiv zu werden."

Das klingt nach einer komplexen Aufgabe …

"Absolut. Oft heißt es tüfteln, jonglieren und puzzeln, um Lücken und Möglichkeiten zu finden, die für uns als Flughafen und die Airline organisatorisch und wirtschaftlich sinnvoll sind. Dabei müssen wir viele Faktoren im Blick haben: Gibt es bestimmte Auflagen für Flüge? Kann eine unter Umständen geltende Nachtflugregelung am Start- oder Zielflughafen eingehalten werden? Stehen ausreichend Crew-Mitglieder und die passende Maschine zur anvisierten Flugzeit zur Verfügung? Gibt es nötige Zubringerflüge?"

Wie geht es weiter, wenn Flughafen und Airline sich einig sind?

"Die Start- und Landezeiten vergibt am Ende nicht der Flughafen selbst, sondern eine übergeordnete, unabhängige Institution: der Flughafenkoordinator der Bundesrepublik Deutschland. Airlines melden dort ihre gewünschten Slots an. Die Behörde entscheidet anschließend anhand strenger EU-Vorgaben, wer welche Flugzeiten erhält. Wenn das geschafft ist, geht es an die Vermarktung."

Über welches Ziel im Sommerflugplan 2026 freuen Sie sich besonders?

"In den vergangenen Jahren sind viele neue Langstrecken ab München hinzugekommen. Mittlerweile haben wir rund 50 Interkontinentalverbindungen. Mein persönliches Highlight in diesem Sommer liegt aber recht nah und ist mit unserer neuen Airline Air Corsica erreichbar: Sie fliegt mehrmals pro Woche nach Calvi und Ajaccio auf Korsika – ideale Startpunkte für eine Rundreise über diese beeindruckende Insel mit ihrer Mischung aus imposanter Bergwelt, malerischen Küsten und traumhaften Stränden. Ich bin immer wieder fasziniert zu sehen, welch großartiges Flugangebot für unsere Passagiere entsteht, weil wir am Airport bereichsübergreifend Hand in Hand arbeiten. Wir ermöglichen es Menschen, neue Orte zu entdecken und sich überall auf der Welt zu begegnen – ein toller Job."

Slotvergabe in Deutschland, so läuft es ab:

An sogenannten "Level 3-Airports", wie zum Beispiel in München, ist die Nachfrage nach Slots, also Zeitfenstern für Starts und Landungen, größer als die Verfügbarkeit. Unter anderem bestehen für rund 80 Prozent der Slots sogenannte "Großvaterrechte". Das heißt: Diese Kapazitäten sind fest und langfristig an bestimmte Airlines vergeben. Freie Slots sind daher begehrt und Gegenstand intensiver Verhandlungen zwischen Flughäfen und Airlines. Ob ein Slot wie gewünscht vergeben wird, entscheidet der unabhängige Flughafenkoordinator der Bundesrepublik Deutschland. Er hat dabei die Interessen aller Beteiligten gleichberechtigt im Blick.

Reisetipp Korsika:

  • Sandstrand auf Korsika mit klarem Wasser und mediterraner Küstenlandschaft. © gevision - depostiphotos.com
  • Wanderer genießen den Ausblick auf die felsige Küste Korsikas bei Sonnenuntergang. © p2n Media - Shutterstock.com
  • Clanques de Piana auf Korsika, Frankreich © Mariusz Hajdarowicz -Shutterstock

Neues Highlight im Sommerflugplan am Münchner Airport: 

Schneeweiße Strände, türkisfarbenes Wasser und eine spektakuläre Bergwelt: Korsika gilt nicht ohne Grund als „Île de Beauté“, als Insel der Schönheit. Entlang der Küsten wechseln sich feinsandige Buchten mit dramatischen Felslandschaften ab. Besonders rund um Porto-Vecchio oder in der Balagne im Nordwesten finden Badeurlauber malerische Plätze zum Entspannen. Gleichzeitig ist die Insel ein Paradies für Aktivurlauber. Zahlreiche Wanderwege führen durch duftende mediterrane Vegetation, vorbei an glasklaren Bergbächen und hinauf zu beeindruckenden Aussichtspunkten in den korsischen Hochgebirgen. Der Fernwanderweg GR20, der die Insel von Nord nach Süd durchquert, gilt als einer der anspruchsvollsten Trekkingpfade Europas.

 Wilde Schönheit im Mittelmeer

  • Bastia auf Korsika © efesenko - depositphotos.com
  • Hafen von Ajaccio auf Korsika mit Altstadt, Booten und mediterraner Küstenlandschaft. © ezarubina - depostiphotos.com
  • Rote Felsformationen an der Küste Korsikas ragen aus dem ruhigen Mittelmeer. © Photoprofi30 - depositphotos.com

Auch kulturell hat die Insel viel zu bieten: Die lebhafte Hafenstadt Bastia begeistert mit verwinkelten Gassen und italienisch geprägter Architektur, während Ajaccio – Geburtsstadt Napoleons – Mittelmeer-Flair mit Geschichte verbindet. Ein Naturhighlight sind die berühmten Calanche von Piana: bizarr geformte rote Granitfelsen, die über dem tiefblauen Meer aufragen und zum UNESCO-Welterbe gehören. Ob Badeurlaub, Wanderabenteuer oder kulinarische Entdeckungen mit korsischem Käse, Wein und frischem Fisch – Korsika vereint südländisches Lebensgefühl mit wilder Natur auf einzigartige Weise. 

Jetzt inspirieren lassen: Aktuelle Ziele ab München 

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